Rosie is back

Montag, 27. Februar 2012 von Frank

Übermorgen soll es dann endlich soweit sein. Das Schiff ist in Kapstadt angekommen und der Augenblick naht, an dem Rosie wieder das Licht der Welt erblicken darf. Das ich diesen Augenblick noch miterleben darf. Jetzt ist es halt nicht Namibia sondern Südafrika geworden. Na immerhin. Besser als Le Havre ( war mal im Gespräch).

Am 21.01. bin ich in Windhoek gelandet. Gerade rechtzeitig, um der aufkommenden Kälte zu entfliehen.  Windhoek empfängt mich mit moderaten Temperaturen, denn es ist Regenzeit, und viel Langeweile. Gleicher Backpacker, gleiches Zimmer. Deja vu. Ich habe Corinne, eine Französin, kennengelernt und zeige ihr ein bisschen die Stadt. Und treffe Jörg, einen Landwirt aus dem hohen deutschen Norden, der schon das 10te Mal in Namibia ist und versucht seinen mitgebrachten Toyota Landcruiser hier registrieren zu lassen. Auch er muss warten und wir beschließen, uns die Langeweile zu teilen. Mit ihm fahre ich etwas durchs Land. Er kennt Hans und Franz und so komme ich in den Genuss, die größte Milch produzierende Farm, als auch die kleinste Brauerei des Landes, und deren Besitzer, kennenlernen zu dürfen. Aber immer noch keine Gewissheit, wo der Container letztendlich anlandet. Nach 5 Tagen habe ich die Nase voll und fliege nach Kapstadt. In zweierlei Hinsicht eine gute Entscheidung. Zum einen stellt sich heraus, dass die Fahrzeuge dann doch hierhin kommen, zum anderen kann man die Zeit hier um einiges besser totschlagen als in Windhoek.
Und dann mal wieder ein Schlag in die Magengrube. Ich treffe Julien, meinen Wegbegleiter auf dem Weg zwischen Nigeria und dem  Kongo wieder, und wir beschließen, den Tafelberg, das Wahrzeichen schlechthin in Kapstadt, zu besteigen. Gondelbahn kann ja jeder, also den Männerweg. Hammer Aufstieg. 2 Stunden Natursteintreppen. Aber die Sicht auf dem Weg,und erst recht auf dem Platteau, entschädigen für alles. Runter mit der Gondel, kann ja jeder. Also das ganze bergab. Gerade habe ich noch einen Kanadier verarztet, der ausgerutscht und in die Stacheldrahtabsicherung gefallen ist, um nicht den Berg runterzufallen ( wer ist so blöd, und verbaut Stacheldraht), und schon rutsche ich. Alles kein Ding, wenn ich nicht unglücklich mit meiner linken Hand zwischen zwei Steine kommen würde. Und wieder ist ein Finger der linken Hand gebrochen. Jetzt schon der dritte. Hoffentlich klappt es mit dem kuppeln. Egal, es gibt ja Gafferband.

Kapstadt ist schon sehr nett, wenn man das nötige Kleingeld hat, um hier ein schönes Leben führen zu können. Ich meine nicht mich. Ich habe einen schweine Muskelkater, laufe wie ein Zombie, habe einen gebrochenen Finger und lebe über meinem Budget. Ich hatte keine Lust auf einen Dorm Room mit 16 Leuten und übernachte in einem Stundenhotel für immerhin 30 € die Nacht. Wir müssen noch ein Vermögen fürs Loaden bezahlen und deshalb gibt es nur Schonkost und Museumsbesuche. Ok, und ein paar Gläser Bier. Nahrungsersatz halt. Aber wenn man sich die Villen und Autos anguckt, scheint man es hier ganz gut aushalten zu können…… wenn man weiss ist. Und das ist für mich der Punkt, warum ich hier nicht leben könnte. Namibia ist ja nicht sooo anders, aber es fällt nicht so auf.Aber hier gibt es nur wenige Weisse, die im Dienstleistungsgewerbe als Arbeiter, egal welcher Art, ihr Leben fristen. Schwarz passt auf deinen Porsche auf, Schwarz bringt dir deinen Wein und dein Essen, Schwarz arbeitet für kleines in deiner Firma, aber Schwarz ist auch unzufrieden, hat keine Arbeit und trinkt, nimmt Drogen, überfällt. Klar, ich verstehe. Sehe aber auch Hoffnung von gut ausgebildeten schwarzen  Südafrikanern, ohne Hass und mit viel Glauben an die Zukunft. Hoffnung in Kommunikation und Bildung. Kann nur so gehen und funktionieren.  Muss. Wenn nicht? Wäre ich anders? Schwer zu sagen. Aber Kapstadt ist recht sicher und auf jeden Fall eine Reise wert. Eigentlich toll, wenn nicht das` aber`.. wäre.

Heute ist dann wohl der Tag X. Ich habe die halbe Nacht nicht schlafen können vor lauter Aufregung. Was wird uns erwarten, wenn der Container endlich geöffnet wird. Wir treffen uns am Hafen mit den Leuten der Abfertigungsagentur und dem Zoll.
Auch die Anderen scheinen keine allzu lange Nacht gehabt zu haben. Die Augenränder erübrigen jeglichen Kommentar. Zu guter letzt haben sie auch noch Juliens Smartphone aus seinem Zimmer geklaut. Er will nur noch aufs Bike und weg. Hat schon sein ganzes Gepäck dabei. Wir müssen noch einmal kräftig in die Kasse greifen, um alle Gebühren zu bezahlen, und dann kommt der Augenblick der Wahrheit. Der grosse Boltzenschneider wird angesetzt um die Plombe zu entfernen, und die Tür geht auf. Totenstille, sechs Augen gaffen gebannt in den Schlund und……es sieht alles so aus wie beim Laden. Klar, alles riecht  muffig, auf den Sitzen hat sich Schimmel angesetzt, aber keine erkennbaren Schäden. Die Mopeds springen auch über kurz oder lang an, nur der Land Rover hat keine Kuppelungsfunktion mehr. Er muss später in eine Werkstatt geschleppt werden.

Es ist so schön, wieder auf Rosie zu sitzen und durch Kapstadt zu gliden. Mein Plan für den kommenden Abreisetag steht dann auch schnell fest. Klar muss ich mit dem Moped noch zum Kap der guten Hoffnung. Und dann soll es ins Weinland, nach Stellenbosch, gehen.
Die Routine des täglichen Packens ist nicht mehr so da, alles geht etwas unbeholfen von der Hand, aber irgendwann sieht Rosie wieder genauso packeselig aus , wie immer, und es geht endlich los.
Das links fahren ist bald wieder im Blut, ich gleite über sagenhaft schöne Küstenstrassen dahin, gucke mehr auf das türkisfarbene Wasser als auf den guten, grauen Asphalt träume so vor mich hin und bin schon bald am Cape Point Nationalpark. Eintritt bezahlen und ab zum Cape of good hope.
Klar wäre ich lieber komplett bis hierhin gefahren. Aber ich kann mir nicht vorwerfen, nicht alles versucht zu haben. Und bin trotzdem etwas stolz, jetzt hier zu stehen.Und das ist ja auch nicht das Ende dieser Reise. Ich will ja noch ein Häuschen weiter.
Auch heute. So geht es nur noch mal schnell zum Strand in der Nähe, sehe einigen Weltklassesurfern beim Ritt durch die Wellen zu und ab nach Stellenbosch. Erst noch endlose Strände mit endlosen Reihen von Anglern, dann endlose Townships mit endlosen Wellblechhütten und dann endlich endlose Weinreben. Ich bin im winecountry angelangt und dessen Hauptstadt ist nun mal Stellenbosch. Alte Eichenalleen und alte holländische Häuser, alles stylisch mit, natürlich, Weinkneipen und Restaurants. Stellenbosch ist auch Universitätsstadt und so verwundert es nicht, dass alle Kneipen überquellen mit ausschweifend trinkenden jungen Menschen.  Ich schlag mein Zelt im  Garten des Stumble In Backpackers auf und ahne schon böses. An eine ruhige Nacht ist hier nicht zu denken. Also gehe ich erstmal mit George und seiner Freundin, den Managern hier, ein paar Bier trinken, hoffe auf später. Aber um 11 ist mein Zelt immer noch umlagert von abfeiernden Travellern. Ich denke an meinen Kumpel Conni, stecke mir Stöpsel in die Ohren  und versuche mein Glück.

Das Glück währte nicht wirklich lange. Mit nur ein paar Stunden Schlaf in den Knochen, geht es am nächsten Tag nach Oudtshoorn. George empfiehlt mir die Strecke über Franschoek, Worcester, Robertson, Montagu und Ladismith, der letzte Abschnitt auch bekannt als die Route 62.  Es geht durch tolle Weinanbaugebiete mit mondänen Landsitzen, über Pässe, entlang an Seen und durch trockene Gegenden, die anmuten wie New Mexiko. Das war definitiv die richtige Wahl. Die Horden von Bikern geben mir recht. Nach 430km und 7 Stunden erreiche ich das Karroo Inn Backpackers, nehme mir ein Zimmer in diesem  mit viel Geschmack eingerichteten Haus, in dem man sich sofort zuhause fühlt und geniesse den Sonnenuntergang nach einer heissen Dusche auf der Veranda. Leider ist mein gebrochener Finger wieder sehr angeschwollen und schmerzt höllisch nach der langen Fahrt und ich muss wohl einen Tag pausieren. Egal, es gibt schlechtere Orte…..

Ein Tag muss für den kaputten Finger reichen. Obwohl ich hier im Karoo Soul auch länger hätte verweilen können. Aber ich will die Bewölkung nutzen, um der Hitze zu entfliehen. Und wieder Traumstrasse über 800 m hohe Pässe bis George. Danach geht der Höhenflug weiter über Wilderness, Knysna, Plettenberg Bay. Als Highlight gönn ich mir den Abstecher über das Natures Valley. Nach grandioser Landschaft, Serpentinenfahrt und Delfinschau am Strand und einem Surf und Turf Burger mit dicken Engländerinnen, da schnellstens wieder los. Dann wird die N2 etwas langweiliger. Den Abstecher nach Jeffreys Bay spare ich mir. Keine guten Erinnerungen an Paul1 und zu viele Touris. Auch Port Elizabeth muss ich mir nicht geben, will keine grossen Städte mehr im Augenblick. Mir ist nach Landschaft, Ruhe und Natur. Nach 430 km wird es mal Zeit, langsam ein Plätzchen für die Nacht zu erkunden. Ich habe mich mal auf gut Glück für Port Alfred entschieden. Der Name klingt so blöd, das kann nur gut sein. Ich nehme eine kleine Landstrasse und schon werde ich belohnt. Die Sonne kommt raus und eine Landschaft wie in Irland erstrahlt. Hügel,grüne Wiesen soweit das Auge reicht, Kühe, Eichenhaine, Teiche mit Seerosen und, ok,…. arme, schwarze Landarbeiter. Die Realität holt einen halt immer wieder ein. Port Alfred erweist sich als Übernachtungsglücksgriff nach 540km. Ganzer Backpacker für mich allein für 12 €. Zwar komme ich mir vor, als würde ich in meinem Kinderzimmer von 1970 übernachten, aber egal. Toller Tag und schlafen kann ich bestimmt. Am nächsten Morgen geht es früh weiter an der Küste in Richtung East London. Das Wetter ist nicht der Knaller, aber die sich wie an einer Perlenkette aufreihenden Örtchen sind wunderschön anzuschauen. East London selbst hat nicht viel zu bieten. Ich habe aber auch kein Auge für die Stadt, muss ich doch den Weg Richtung Mthata finden. Es geht ins Inland in eine für den Transkei typische Landschaft. Sanfte Hügel mit Gras bewachsen und die kleine Höfe mit den obligatorischen Rundhäusern in bunten Farbtönen. Ganz nett anzuschauen, aber nach einiger Zeit auch etwas langweilig. Nach 350km dann der Abzweig nach Coffee Bay, meinem Tagesziel. Die Landschaft bleibt, nur die Strasse wird merklich schlechter. Viele 2 Mann Teams tun zwar so, als wenn sie die Schäden beheben wollten, aber meist liegen sie schlafend im Schatten. Deshalb ist alle Aufmerksamkeit gefordert, denn immer wieder versperren grosse Potholes den Weg. So ziehen sich die letzten 75km noch richtig hin. Dann endlich wieder die Küste. Atemberaubend die Landschaft hier. Grüne Steilküsten, wieder sehr irisch, dazwischen karibische Strände. Ich steuere das Ocean View Hotel an. Für meinen Geldbeutel sicherlich zu teuer, aber direkt am Strand gelegen und ich will mir nach 425km erst mal ein Feierabend Bier gönnen. So treffe ich auf Lynn, eine freakig aussehende ältere Dame,die neue Besitzerin. Ich erzähle ihr von meiner Reise und sie nimmt mich sofort unter ihre mütterlichen Fittiche. Augenblicklich stehen Austern und ein neues Bier auf dem Tisch, ich bekomme das schönste Zimmer für einen Spottpreis und muss am Ende noch nicht einmal für das komplette Essen während der ganzen Tage bezahlen. So werden aus den geplanten 2 Übernachtungen schnell 4. Ich schliesse Freundschaft mit Bret, zuständig für die Renovierung, und seinen Kumpels. Die Tage verfliegen mit Angeln, Picknicks auf den Klippen ( mit viel Bier), abendlichen Besuchen der Parties in den nahen backpackers( mit viel Bier) und relaxen am Strand. Und es finden sich noch einige Biker ein. 2 Norweger( mit viel Bierdurst) und ein Südafrikaner mit ihren BMWs leisten Rosie und mir Gesellschaft. Keine Zeit für Langeweile ( aber viel zu viel Bier). Aber ich muss weiter, denn Conni, mein alter Kumpel, der von Mombasa nach Johannesburg geradelt ist, wartet auf mich in Joburg. Der Abschied fällt schwer, Coffee Bay und speziell das Ocean View mit seiner so liebenswerten Mannschaft, haben etwas magisches. Zurück auf der Schlaglochpiste, geht es durch gewohnte Landschaft über Mthata nach Kokstad. Eigentlich wollte ich von hier aus ja schnellstens Richtung Autobahn nach Joburg, aber es lockt der kürzeste Scenic Highway in Südafrika nach Matatiele. Und es ist Traumwetter für einen solchen Abstecher. Ich wollte ja auch erst in 2 Tagen bei Conni sein. Also nichts wie los. Gute Entscheidung. Fast kein Verkehr durch fruchtbare Landschaft mit traumhaften Farmen. Im Hintergrund die Ausläufer der Drakensberge. Das Bikerherz jubelt. Aber leider nur bis ich das Bed und Breakfast erreiche. Denn bei dem erneuten Versuch, Rosie zu starten, gibt sie nur ein grausliches Geräusch von sich. Klingt schwer nach Magnetschalter. Ich baue im Lichtkegel meiner Stirnlampe den Anlasser aus und wieder ein,aber nichts hilft. Am nächsten Tag geht es nur mit Anschieben weiter und ich muss jetzt bei meiner Weiterfahrt darauf achten, entweder an einer abschüssigen Strasse zu halten, oder aber immer ein paar willige Helfer um mich zu haben. Trotzdem lasse ich mir meine Laune nicht verderben und geniesse die Fahrt durch Traumkulisse der Drakensberge( Drachenberge). In Underberg verzichte ich auf Genuss der kleinen braunen Fläschchen und setze meine Fahrt fort bis Howick, wo ich auf die N3 nach Joburg treffe. Danach noch 200km Langeweile auf der Autobahn nach Harrismith. 510 km reichen für den Tag und suche mir etwas für die Nacht. Conni beschreibt mir am Telefon noch kurz den Weg und schon nach 3 Stunden stehe ich vor einem wunderschönen Haus mit Pool im Vorort Glenvista in Joburg. Hier wohnt unser Gastgeber Floria, den er in seiner Südafrika Zeit vor vielen Jahren kennengelernt hat. Wie er auch Rumäne und die Gastfreundschaft in Person. `Klar kannst du solange bleiben wie du willst´sagt er. Und leider werde ich das auch nutzen müssen. Am Abend gesellt sich noch Jack zu uns. Auch er wohnt hier für ein paar Wochen. Wir sitzen in der Runde bei einigen Bierchen und begiessen die neue Altmänner WG. Ach ja, zur WG gehören auch noch die `Mädels´, eine Schäferhündin mit Namen Kiki und eine Mischlingshündin mit Namen Lola, unsere Aufpasserinnen in dem ach so kriminellen Johannesburg. Am kommenden Tag gilt unsere Aufmerksamkeit ganz der Instandsetzung von Rosie. Conni hat den Grund der Anlasserprobleme schnell ausfindig gemacht. Ein wackeliges Kabel an der Batterie ( Schande über mein Haupt). Danach geht es zu Cytech, einem auf BMWs für Afrikareisen spezialisierten Betrieb. Ich komme mir vor wie ein Kind im Bonbonladen. Super ausgestattete Mopeds mit allem was man braucht und nicht braucht und jegliches Zubehör sind zu erwerben. Ich beschränke mich auf einen Satz Dual Purpose Reifen, denn meine fast noch neuen Stollen nutzen auf den Teerstrassen zu schnell ab, Ölfilter für die Dauernutzung aus Edelstahl, neuen Spiegel ( seit Mauretanien Schrott) und neue Bremsbeläge auf der Hinterbacke. Bei der Rechnung wird mir allerdings erstmal schwindelig. Alles ist locker ein Drittel teuerer als bei uns. Aber was bleibt mir übrig. Im Norden werde ich nichts mehr bekommen. Nach Einstellen der Ventile, Ölwechsel und so einigen kleinen Reparaturen, kommt am 3ten tag die Probefahrt nach Pretoria. Conni muss zur rumänischen Botschaft, denn er ist wiedermal schwarz in Südafrika ( und nicht nur hier) eingereist ( und ich meine nicht seine Hautfarbe)und will einen vorübergehenden Pass, um auch wieder ausfliegen zu können. Rosie fährt super, wenn da nicht ein hässliches Geräusch im Antrieb wäre, was uns sofort auffällt. Also lieber noch einmal zu Cytech und checken lassen. Sie nehmen alles auseinander und dann der Schock. Ein Kreuzgelenk der von mir kurz vor der Reise eingebauten Kardanwelle ist hinüber. Und das nicht genug, sind die Lager im Getriebe auch Schrott. Jetzt muss ich überlegen, ob ich das Risiko eingehe, weiterzumachen und dann in der Pampa stehenzubleiben oder hier ein Vermögen zu zahlen. Ich entscheide mich für letzteres denn Roy, der Besitzer von Cytech, garantiert mir. keine Probleme in Zukunft mehr zu haben, und wenn würde er, egal wo in Afrika, helfen. Ein Jahr Afrika Garantie. Ich will es mal hoffen!!!!!

Frust in Namibia

Samstag, 17. Dezember 2011 von Frank

Ich werde wahnsinnig. Der Deal war, unsere Fahrzeuge im Container in einer Woche von Point Noire nach Namibia zu bringen und jetzt warten wir schon einen Monat und kein Ende ist in Sicht. Anstatt nach Süden zu fahren , ging die Kiste nach Douala( Kamerun) danach nach Togo. Delmas, der Verschiffer hat auch keine Ahnung, warum. Alle unfähig, aber schlimmer noch, es gibt kein Schiff Richtung Süden.  Dabei fing alles so gut an. Man rechnet mit einer Verzögerung und organisiert einen super passenden Trip in den Etoscha Nationalpark.  Eigentlich ein Auto für 10 nur für eine Gruppe von 4. Und dann passt auch die Konstellation. Franz aus Österreich, schon überall gewesen, Alex aus Brasilien, wie ein wahnsinniger in nur drei Wochen mit dem Moped von Paris nach Yaounde ( Kamerun) gefahren, Bike verkauft und weiter, und Julien. 4 Tage Spass und Tiere gucken. Klar, ein bisschen wie Zoo, aber mit dem Moped hätten wir das eh nicht machen dürfen.  Also Zeit gut genutzt und danach in Erwartung der kommenden Bikes Richtung Swarkopmund. Und dann die Message: der Container ist in Togo. Wiedersehen mit den genauso frustrierten anderen Leidensgenossen. Aber was tun. Alle versuchen alles, um herauszufinden, was da überhaupt abgeht. Es kommen entweder keine oder nur widersprüchliche Aussagen von den Verantwortlichen. Hut ab, Olli, der Rock`n Roll Rechtsanwalt aus Uk hängt sich unglaublich rein und nun steht fest: kein  Container vor Januar. Ohne Bike, kein richtiges Weihnachten. Also nach Hause… meine geliebt und vermissten Freunde sehen. Ach ja, ich bin auch noch mit Pistole am Kopf ausgeraubt worden. Halb so schlimm, aber Handy weg und Kreditkarten weg. So kann  ich die Zeit  in Deutschland nutzen ,um alles neun zu organisieren und auch einige Ersatzteile für ( hoffentlich) Rosie mitzubringen. Wieder eine unfreiwillige Unterbrechung, aber ich freue mich auf Ralf und Gaby und meine Freunde. Nachdem diese Entscheidung getroffen war, und ich schon eine Woche in Swarkop , man nennt es nicht umsonst den südlichsten Küstenort Deutschlands, meine Deutschkenntnisse auffrischen durfte( man spricht fast nur deutsch), schiebe ich langsam Frust. Maria und Gertie von der Bäckerei duzen mich schon, ich gucke mit Schalke Fans Bundesligaspiele ( krank) und bin kurz davor, ins hiesige Krippenspiel zu Weihnachten eingebaut zu werden ( als Esel) .  Ich muss hier weg!!! Die Hilfe kommt von Martin und Flori,  Ingenieuren des Fraunhofer Institutes, die nach 5 Wochen Projekt im Busch auf dem Weg nach Windhoek sind, und mich mitnehmen. Chemie perfekt, Spass pur. Wir schauen uns noch die Spitzkoppe an und nehmen dann die Piste über den Bosua Pass anstatt der geteerten Hauptroute zu folgen. Noch drei schöne Tage Campingtour, bevor es ab ins kalte Deutschland geht.
Also allen ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch, auf das die Fahrzeuge heil in Namibia ankommen und das Jahr 2012 weniger Probleme bringt. Glück auf.

Kamerun- Namibia

Freitag, 25. November 2011 von Frank

Tja, das hört sich wie ein grosser Sprung an, mitnichten, wenn auch, was einige der zurückgelegten  Kilometer angeht, unfreiwillig. Ich sitze in Windhoek, betrachte meine Kreditkartenabrechnung und könnte Pickel bekommen. Mal eben 500€ für einen Container ausgegeben und nochmals das gleiche für Flüge von Point Noire ( Kongo) nach Brazzaville ( Kongo), nach Addis Ababa(Äthiopien), nach Johannesburg( Südafrika) um jetzt hier zu sitzen.  Ist so ähnlich als, würde man von Frankfurt nach New York fliegen, um in Düsseldorf anzukommen.  Aber fangen wir mal in Kamerun an, denn da habe wir ja schliesslich beim letzten Blogeintrag aufgehört.Nach unserem Abenteuer auf der Ring Road machen wir uns auf in die Hauptstadt Yaounde, um wieder mal verschiedene Botschaften aufzusuchen. Leider auch hier nur mit mäßigem Erfolg. Zwar ist das Visum für Gabon schnell besorgt, aber an der angolanischen Botschaft erhalten wir die obligatorische Absage. Dann halt in Libreville.Wir nutzen die Zeit in Yaounde um unsere Garderobe etwas auf Vordermann zu bringen. Der hiesige Markt bietet zu einem Spottpreis alle Klamotten namhafter Hersteller Made in China. Auch unsere Bikes werden nach dem Entfernen der Dreckkruste einer genauen Untersuchung unterzogen und gewartet. Und dann kommt der Anruf, der mich sehr hart trifft. Nina teilt mir mit, dass sie in Zukunft nicht mehr mit von der Partie sein wird. Ein unbeschreiblicher Verlust auf Grund einer unbeschreiblichen Dummheit meinerseits. So kann ich die Schönheit der Landschaft am folgenden Fahrtag auch gar nicht geniessen und bin mit meinen Gedanken  ganz woanders. Gott sei Dank lässt die unglaublich gute Strasse meine Unkonzentriertheit auch zu. Nach einem schnellen Grenzübertritt empfängt uns Gabon mit einer sagenhaften Strasse durch den Dschungel. Man hat das Gefühl, man fahre durch einen botanischen Garten. Neuster Asphalt, Seitenstreifen mit Rasen, die einem Golfplatz alle Ehre machen würden und dahinter gigantische Urwaldriesen. Wir finden ein etwas rudimentäres Nachtlager in einem Bretterverschlag, werden dafür aber belohnt mit einem hervorragendem Gazellengulasch und machen uns am nächsten Tag auf nach Libreville. Leider ist der sagenhafte Zustand der Strasse nur von kurzer Dauer und der afrikanische Alltag holt uns wieder ein. Schlagloch reiht sich an Schlagloch, Baustelle an Baustelle. nachdem wir zwei mal den Äquator überschritten haben kommen wir nach Kango…..und die Strasse wird noch schlechter. Libreville empfängt uns mit dem obligatorischen Verkehrsstau einer afrikanischen Grossstadt. So brauchen wir nochmals eine Stunde , bevor wir endlich unser verdientes Bier an einer Strandbar geniessen dürfen. Auf einmal springt Julien auf und deutet auf einen schwarzen Punkt im Wasser, der sogleich wieder verschwindet. Ich bin schon kurz davor, seine zweite Bestellung rückgängig zu machen, weil ich denke, er verträgt das Bier nicht, als wiederum mehrere Punkte erscheinen und näher kommen. Fünf Meeresschildkröten tummeln sich in unmittelbarer Nähe im Wasser. So sitzen wir, beobachten und vergessen die Zeit. Es dämmert bereits und wir brauchen noch einen Übernachtungsplatz. Und das gestaltet sich in Libreville sehr schwer. Überall ausgebucht. Was ist denn hier los? Nach drei Stunden der Suche landen wir letztendlich in der Maison Libermann, einem christlichen Guesthouse.. Zwar sind die Preise nicht so christlich für das, was geboten wird, aber besser als nichts.
Beim abendlichen Spaziergang sehen wir auf einmal eine Enduro vor einem Restaurant stehen und entschliessen uns mal nachzufragen, wem das denn gehören könnte. Wir brauchen eine Werkstatt, denn es stehen Ölwechsel und Ventile einstellen an. Ausserdem will ich meine Karoo Reifen, immerhin seit Casablanca  ihren Dienst versehend, durch meine neuen TKC ersetzen. So lernen wir den Manager kennen, der uns am folgenden Tag zu seiner Werkstatt des Vertrauens bringt. Ein absoluter Glücksgriff.Wilfried, der korsische Besitzer von Nitrojets, ist die Ausgeburt an Freundlichkeit. Nicht nur, dass wir bei ihm schrauben dürfen und seine Leute vorher unsere Bikes auf Hochglanz bringen, er schenkt uns das Öl, zieht meine Reifen kostenlos auf und wir dürfen auch noch unsere Motorräder bei ihm unterstellen. Wir wollen für drei Tage in den Lope Nationalpark, aber mit dem Zug, denn einen Großteil der Strecke kennen wir schon. Abends geht es los. Der Zug hat schon bessere Tage gesehen, die Klimaanlage geht nicht, es ist voll und selbst um neun Uhr noch heiss und stickig. Aber es geht pünktlich los, wenn auch nur für kurze Zeit. Schon nach einer Stunde bleiben wir mitten in der Pampa stehen und sofort riechen wir Verbranntes. Beim Blick aus dem Fenster dann die Gewissheit. Es brennt an der Lok .Nach einer kurzen Pause ist alles repariert und es geht weiter, aber wieder nur für eine Stunde. Der Schaffner kommt durch und versucht die aufgebrachte Fahrgastmeute zu besänftigen. Der Zug aus der anderen Richtung ist entgleist und muss noch eben geborgen werden. Kein Grund zur Aufregung. Um fünf Uhr morgens erreichen wir endlich Lope. Durch absolute Dunkelheit stapfen wir durch den Dickicht zu unserer Bleibe, der Lope Lodge, einem netten kleinen Holzhaus ohne fliessend Wasser, dafür aber mit grandiosem Ausblick, wie wir beim Sonnenaufgang feststellen dürfen. Nach einem kurzen Nickerchen erwarten uns sofort zwei Guides, die uns für den unglaublichen Preis von jeweils 100€ durch den Park führen wollen. Einfach viel zu teuer. So beschliessen wir, die Nationalparkverwaltung aufzusuchen und siehe da, die sind genauso entsetzt über die Preise der hiesigen Guidemafia wie wir und versprechen uns was für die Hälfte zu organisieren. Am nächsten Tag werden wir dann auch um sechs Uhr in der Früh abgeholt zum ersten Teil unserer Führung, dem Trek durch den Urwald. Angeblich soll es hier noch Gorillas, Schimpansen und Leoparden geben. Wir wandern vier Stunden durch den Wald und sehen…nichts. Ok, nette Vegetation, aber das war es. Am Nachmittag dann die Autotour durch die savannenartige Landschaft. Hinten auf einem Pick up stehend geht es kreuz und quer durch den Park sehen aus einiger Entfernung Büffel und Elefanten. Dann setzt der Regen ein und da nicht genug Platz in der Fahrerkabine ist, werde ich auch noch nass bis auf die Knochen. Irgendwie hatte ich mir das ganz anders vorgestellt mit den tollen Nationalparks in Gabon. Klar, es gibt noch schönere Parks im Land, aber die sind mit unglaublichen Preisen einem exklusiveren Klientel vorbehalten. Wir entschliessen uns, nicht auf den Zug am nächsten Tag zu warten, sondern zurück zu trampen. Ein LKW ist schnell gefunden und in der Nacht brechen wir auf.Ich merke auf der Fahrt, wie alle Muskeln im Körper anfangen zu schmerzen und führe es auf die schlechte Strasse zurück. Als ich aber total ermattet in Libreville ankomme und Fieber messe, habe ich einen üblen Verdacht. Es ist Samstag und die Labore sind geschlossen.Der Arzt,den ich konsultiere, bestätigt aber meinen Verdacht. Das kann nur Malaria sein. Also sofort Corratem  einwerfen und hoffen. Die Nacht wache ich nach wirren Träumen immer wieder schweissgebadet auf. Das Betttuch kann man am Morgen auswringen, aber über den Tag geht es mir schon merklich besser.Nach Beendigung meiner dreitägigen Kur dann der Labortest. Ja, es war Malaria und nein, die Parasiten sind weg. Es kann endlich weitergehen.
Jetzt fahren wir die Horror- Schlaglochstrecke  unweit von Libreville schon zum dritten Mal, aber wir wollen nach Lambarene , der alten Wirkungsstätte von Albert Schweitzer. Nach der Abzweigung in Bifoun wird die Strasse wieder besser und nach nur kurzer Fahrt erreichen wir Lambarene. das Örtchen ist in drei Teile aufgeteilt, dem Nordufer mit der alten und neuen Klinik, der Insel, auf der wir im Hotel Schweitzer mit tollem Blick auf den Fluss absteigen, und dem Südufer mit dem Markt und den meisten Geschäften. Wir entladen die Bikes und machen uns sogleich auf den Weg zur Klinik. Der gesamte alte Teil ist heute ein Museum. In der neuen Klinik wird viel Forschungsarbeit über alle möglichen afrikanischen Krankheiten geleistet und es gibt weiterhin, wie in alter Zeit, ein Lepradorf. Das Museum ist mehr als sehenswert. Es gibt die Privaträume der Schweitzers zu sehen und die Klinikräume zu bestaunen. Unglaublich unter welchen Bedingungen hier damals gearbeitet wurde. Wir sind mehr als beeindruckt von der Leistung dieses Mannes und seiner Helfer.
Kurz nach Lambarene ist Schluss mit Asphalt. aber die Piste ist gut zu bewältigen. Trotzdem ist es schon später Nachmittag, als wir den Grenzort Ngongo erreichen. Schon während der Grenzformalitäten fängt es an wie aus Kübeln zu regnen und wir entscheiden uns, hier unser Lager aufzuschlagen. Eine gute Entscheidung, denn schon nach kurzer Zeit kommt eine Gruppe Menschen die Dorfstraße aus südlicher Richtung langgelaufen. Ihr Truck ist im Schlamm stecken geblieben. Nichts geht mehr.Der Fahrer bezweifelt, dass wir die Strecke am kommenden Tag schaffen können. Die Wasserlöcher wären für unsere Mopeds zu tief. Wir trinken noch ein Bier mit einigen Bewohnern, kochen ein spartanisches Abendessen und gehen zeitig schlafen, denn der nächste Tag könnte es in sich haben.
Schon kurz nach Ngongo beginnen die Probleme. Von LKWs durchwühlte Piste, tiefer Schlamm und noch tiefere Wasserlöcher. Ich bleibe zwei mal stecken und bin froh, nicht allein unterwegs zu sein. Ohne fremde Hilfe keine Chance. Aber nach nur 175 km in 9 Stunden erreichen wir Dolisie ohne einmal gestürzt zu sein. Und dann finden wir auch noch ein Guesthouse mit heisser Dusche. Ein Traum.
Von hier aus wollen wir nach Point Noire , der Hafenstadt vom Kongo, denn hier soll es angeblich klappen, ein Visum für Angola zu erstehen.Die Chinesen bauen gerade eine Autobahn von Brazzaville nach Point Noire und der Abschnitt von Dolisie ist bereits fertig.So schweben wir förmlich durch die Urwaltlandschaft. Getrübt wird das Bild nur von den vielen LKWs mit riesigen Baumstämmen auf den Anhängern. Auch hier viele chinesische Fahrer.Erst die Autobahn bauen, dann das Land schneller ausbeuten, denke ich beim fahren.
Point Noire hat bis auf einen netten Strand nicht viel zu bieten. Wir wollen auch keinen Urlaub machen, sondern möglichst schnell die Visa besorgen. Aber bei unserem Besuch der angolanischen Botschaft kommt die Ernüchterung. Kein Visum für Overlander. Wir treffen Paul aus Deutschland mit seinem Hilux, Paul und Maria mit einem Truck aus Südafrika, Olli und Emily aus England mit ihrem Rover und Roger und Nadine aus der Schweiz. Und alle teilen wir das gleiche Schicksal. Kein Visum.Einige stehen hier schon Wochen und haben sich schon häuslich eingerichtet. Wir kommen täglich an einem kleinen Stellplatz am „Yachthafen“ zusammen und tauschen Neuigkeiten aus. Nirgends gibt es eine Chance, nicht an der Grenze in Matadi, nicht in Cabinda, nicht in Brazzaville, wo ein Engländer schon 6 Wochen alles versucht. Ich treffe die libanesische Mafia vor Ort, die angeblich alles besorgen kann, verabrede mich mit Angestellten von Halliburton, die gute Beziehungen in Luanda unterhalten, aber alles hoffnungslos. Irgendwann reift dann der Entschluss, die Fahrzeuge in einen Container zu verfrachten und Angola zu umschiffen. Mit von der Partie sind Julien und die beiden Pärchen aus der Schweiz und England.  Und Pascal von der Agentur Ocean Express soll es richten. Mit einem Schiff von Delmas soll es dann in einer Woche nach Walves Bay in Namibia gehen. Also alles rein in einen 40 Fuss Container, passt gerade mal eben, zahlen, und Flüge buchen. Und das ist gar nicht so einfach, denn es gibt keine Direktflüge nach Namibia. So entscheiden wir uns für die „günstigste“ Variante. Flug von Point Noire nach Brazzaville. Zwei Tage Brazzaville anschauen, den Kongo bewundern und über Kinshasa nach Addis Ababa. Eine Nacht Aufenthalt in Addis und weiter nach Johannesburg, einen Tag Aufenthalt und ein abenteuerlicher Besuch einer Disko, in der ich der einzige Weisse war, dann endlich Windhoek.

Nigeria-Kamerum

Samstag, 22. Oktober 2011 von Frank

Calabar ist wesentlich entspannter als die meisten anderen Städte in Nigeria, so heisst es. Das überträgt sich scheinbar auch auf die hier arbeitenden Nigerianer. Zumindest in unserem Hotel. Das sollte nämlich für den stolzen Preis den wir hinblättern müssen, heisses Wasser und Internet haben. Wir haben noch nicht einmal Strom. Wir werden mit der Aussage abgespeist, es wäre ja 51zigster Freiheitstag und niemand würde so richtig arbeiten. Komischerweise haben alle Essbuden in der Nachbarschaft Licht und Fernseher laufen. Egal, wir müssen eh 2 Tage hier auf die Abfahrt der Fähre von Calabar nach Limbe warten. Irgendwann wird auch der Strom wiederkommen. Am nächsten Tag gilt unser erster Weg dem Fährhafen. Wir werden sofort vom verantwortlichen Oberpolizisten abgefangen und müssen ihm Rede und Antwort stehen, was wir denn überhaupt hier verloren haben. Aber die Stimmung hebt sich beträchtlich, als er meinen deutschen Pass sieht. Er möchte in absehbarer Zeit nach Deutschland, um sich um einen möglichen Studienplatz für seine Kinder zu informieren. Er brauch ein Empfehlungsschreiben, und wir unsere Tickets und seinen Ausreisestempel, denn wir werden einen Tag unser Visum überziehen müssen. Wir werden uns handelseinig. Wir sollen ihm die Pässe dalassen und abends mit den Bikes wiederkommen. Nur die Preise für die Überfahrt schocken uns etwas. Für uns 8000 Neira( ca 40 €) , ok, aber für die Motorräder mit manueller Verladung, denn es gibt keine Laderampe zum rauffahren, 40.000 Neira. Und das war angeblich schon Discount durch unseren neuen Freund. Nutzt ja nix. Abends also wieder hin und erst jetzt wird uns bewusst, wie das laden hier abgeht. Es gibt keinen Kran, nur viele Hände. Wir lassen unsere Bikes in der Obhut unserer guten Fee und fahren zurück zu unserem Hotel. Ich nehme  ein letztes Bier in meiner Lieblingstrinkbude von Victor und lerne noch einen Geschichtsprofessor kennen, der mich über den Hintergrund des Biafra Kriegs aufklärt. So komme ich müder, aber gebildeter als zuvor um 5 Uhr am nächsten Morgen am Hafen an. Die Motorräder stehen bereits wild eingekeilt von allen möglichen Gütern auf dem Schiff, wir durchlaufen mit Hilfe unseres Freundes alle bürokratischen Hürden im Schnelldurchlauf und ab geht es Richtung Kamerun. Obwohl ich diesem Boot noch nicht einmal das Ablegen zugetraut habe, so wie es beladen war, und ich mich schon die ganze Zeit bei den 10 Schwimmwesten für 500 Leute rumdrücke, erreichen wir nach knappen 9 Stunden den kleinen Hafen, unweit von Limbe. Und dann steht das Ausladen auf dem Plan. Wir warten 3 Stunden, bis unsere Bikes überhaupt in Sicht kommen. Dann wird ein Plan erstellt, wie sie aus dem Boot kommen könnten. Natürlich sollen wir nochmals eine Unmenge an Geld bezahlen. Aber irgendwann sehe ich 8 Mann mit meiner 300 Kilo schweren Rosie balancierend, auf dem Rest der Fracht  die Pier ansteuern. Ich sehe sie eher im Wasser, als an Land, aber es klappt. Als Juliens Bike auch sicher gelandet ist, nutzen wir einen arbeitsreichen Moment, und verschwinden. Nach ca. 3 Kilometern müssen wir noch dem Zoll einen Besuch abstatten, unsere Canets abstempeln lassen, und nach 30 Minuten besten Asphalts sind wir in Limbe.
Der kommende Tag beginnt für mich frustrierend. Ich will Rosie starten, aber sie macht keinen Mucks. Kerzen raus, rein, sie springt an. Aber nach 100 Metern ist der Spass wieder vorbei. Irgendwann ist die Batterie auch von den Startversuchen zu schwach auf der Brust und ich muss einen der vielen Mopedtaxen bitten, eine Autobatterie zu besorgen. In der Zwischenzeit Vergaser reinigen, Kerzen kontrollieren. Mit neuer Energie springt sie dann auch an. Wir besuchen den wunderschönen botanischen Garten und erkunden die Gegend rund um Mount Kamerun, der unweit von Limbe liegt. Irgendwie erinnert mich alles etwas an Kerala in Indien. Teeplantagen, alte, englische Steinhäuser.
Wir haben den waghalsigen Plan, die Ring Road mit den Mopeds zu fahren. Eigentlich sind nur Teilabschnitte befahrbar, der Rest wird als Wandertour empfohlen.Aber was fette Touries können, das können unsere fetten Bikes schon lange, dachten wir.  Die Ausgangsstation ist Bamenda und dafür müssen wir  erst einmal 360 km fahren. Auch das braucht 7 Stunden, trotz guter Strassen. Aber Ortsdurchfahrten dauern eine Ewigkeit und die Polizeikontrollen, freundlich aber neugierig, und deshalb langwierig, zollen ihren Tribut.
Wir entscheiden uns, zuerst nach Bafut und Wum zu fahren, damit wir den harten Part zuerst schaffen. Erst Asphalt, dann guter Laterit, dannSteine und Laterit. Da es geregnet hat in der Nacht, sind viele Stellen noch extrem matschig. Julien hat nur Metzler Tourance Reifen und kommt schnell an seine Grenzen, wenn es nass wird. Irgendwann verlieren wir uns. Ich versuche eine Schlammdurchfahrt, und versinke bis zu den Zylindern. Nichts geht mehr, bis aus dem Nichts 2 Jungs auftauchen, und wir mit vereinten Kräften mein Moped durchbringen. Aber Julien kommt nicht. Ich gehe zurück. Dann sehe ich seine Lichter. Er hatte einen Ausrutscher, kommt bis kurz vor das Schlammloch, und nichts geht mehr. Die Elektronik seiner Super Tenere weigert sich. Wir schrauben 3 Stunden, bis wir den Fehler gefunden haben. Es wird dunkel und wir sehen uns schon im Dschungel zelten, bis wir zu einer Kreuzung kommen, an der auf einmal einmal eine neue Asphaltstrasse abgeht.
Nach 3 Kilometern den Berg hoch ist Endstation. Aber die hat was. 4 Militärs empfangen uns. Wir bekommen einen Raum zum schlafen, geniessen den Sonnenuntergang in grandioser Kulisse, und werden aufgeklärt, dass wir am gefährlichsten See der Welt übernachten müssen. Der Lake Nyos, ein vulkanischer See, hatte 1986 eine Gasexplosion, die 1700 Menschen den Tod gebracht hat, allen Tieren der Umgebung allerdings auch. Keiner kümmert sich so richtig und die Jungs hier sprechen über einige kleine Rülpser des Sees, die sie beobachtet haben wollen. Ach ja, 170 km haben wir immerhin in 9 Stunden geschafft.
Am nächsten Tag schaffen wir gerade mal 45km, einerseits wegen vieler Stütze, andererseits müssen wir in Nkambe die Reise abbrechen. Es ist Wahltag in Kamerun und die Polizei verweigert uns die Weiterfahrt. Die Jungs fordern uns auf, bei Ihnen zu warten, bis es um 18 Uhr, wenn alle gewählt haben, weitergehen soll. Die Atmosphäre ist entspannt, alle sind nett, aber wir wollen zumindest in ein Hotel im Ort. Manuel, ein Millitätoffizier mit den Maßen von Muhammed Ali, interveniert und bringt uns um 4 zu unserer Übernachtungsstelle. Er kommt sogar am nächsten Morgen ins Hotel, um zu sehen, ob es uns gut geht. Wirklich nett, die Kameruner.
Jetzt soll die Strecke wieder besser werden. So nett wie sie sind, so wenig kann man sich auf die Aussagen über die Wegebeschaffenheit oder die Länge der Strecke verlassen. Wir sitzen in Kumbo, alle sagen, jetzt wird alles gut, es fängt an, wie aus Kübeln zu regnen, und alles wird schlecht.
Wasserdurchfahrten, Schlamm überall, Julien liegt mehr, als er fährt. Jedesmal  350kg aufrichten. Wir sind am Ende. Aber die Element haben ein Einsehen, es trocknet ab, wir schaffen die gesamten 150km  nach Bamenda. Jetzt habe ich Muskelkater und bin fix und alle.

Es geht weiter- von Burkina Faso nach Nigeria

Mittwoch, 12. Oktober 2011 von Frank

Es wird wieder gebloggt. Viele werden sich fragen, was hat der Kerl so lange gemacht. Hier die Antwort. Nach einer langen Woche des Wartens in Quaga bekamen wir endlich das ghanaische Visum in die Hand gedrückt. Die Situation mit dem unzufriedenen Militär hatte sich nur geringfügig geändert. Also nichts wie weg. Ziel war der Nazinga Nationalpark an der Grenze, bekannt für seine Elefantenpopulation. Übernachtungsmöglichkeit gibt es nur im Park, sodass man erstmal 50 km Piste durch die Pampa fahren muss. Und schon auf dem Weg sahen wir mehr als genug Dickhäuterfamilien, deren Bullen das knatternde Motorrad nicht wirklich mit Sympathie betrachteten. Also immer Abstand halten, gegebenenfalls warten, bis sie sich in den Busch zurückgezogen hatten, und dann weiter. Ein belgischer Biologe, der im Park seine Studien über die Kommunikation von Elefanten betrieb, erklärte uns später, dass Elefanten  Motorräder noch mehr hassen als Mäuse.
Das Camp war zwar extrem einfach, aber an einem See gelegen, der selbst in der Trockenheit nicht austrocknet und so kommen jeden Morgen und Abend alle Tiere des Parks zum trinken. Die Elefanten nutzen den Auftrieb des Wassers außerdem für ihr Liebesspiel. Bekommt man nicht so häufig zu sehen. Ganz so nah sollte man sich dem Ufer aber nicht nähern, da auch überall grosse Nilkrokodiele rumliegen. Und nicht nur da…..
Als der Tag der Rückfahrt kam, hatte es in der  Nacht wie aus Kübeln geregnet. Die eh schon schwierige Piste war extrem schlammig und nicht nur das, in den entstandenen Wasserlöchern tummelten sich unsere Freunde, die Nilkroks. Zwar machten sie den Weg frei, wenn sie uns kommen hörten, aber ich bin mir sicher, dass sie auch im Falle eines Sturzes schnell wieder da wären.
Danach Ghana. Man merkt schon an der Grenze, dass Ghana wohlständiger als die meisten Nachbarländer ist. Augenscan und Fingerscan hatten wir nicht erwartet. Die Strassen sind in einem guten Zustand, es gibt viel mehr Autos und leider auch fast immer Staus in größeren Städten. Nach Tamale und Kumasi weiter nach Cape Coast. Das alte Fort, unter Weltkulturerbe, ist ein stiller Zeuge der grausamen Zeit des Sklavenhandels.
Da Nina bald in die USA zurückmusste, verbrachten wir noch einige Tage an einem der wundervollen Strände, bevor es nach Accra ging.
Wir fanden ein nettes Rastaguesthouse in Jamestown, einem Vorort von Accra, direkt am Wasser und konnten so dem Smog und Lärm der zu schnell gewachsenen Hauptstadt aus dem Wege gehen. Einen Tag vor Ninas Rückflug dann die Hiobsbotschaft. Ein Anruf meiner Schwester mit der Mitteilung, dass mein Vater  verstorben sei. Ich war wie gelähmt , hatte überhaupt nicht damit gerechnet und musste nun schnellstens zusehen, mein Motorrad irgendwo unterzustellen und einen Flug nach Deutschland zu organisieren, um es noch pünktlich zur Beerdigung zu schaffen.
Aber nach einem kurzen Anruf in Deutschland bei meinem aus Ghana stammenden Arbeitskollegen  „Bruder“ Dan und ich hatte eine Garage für das Bike. Lisa, eine Freundin, die in einem Reisebüro in New York arbeitet, kümmerte sich um den Flug und ich schaffte es gerade noch rechtzeitig, Abschied zu nehmen. Nochmals vielen Dank euch beiden.
Um alle bürokratischen Hürden zu meistern, die ein Tod so mit sich bringt, braucht es seine Zeit. Tja, und so sind 3 Monate schnell vergangen.
Jetzt sitze ich wieder im „Rising Phoenix“ in Accra, schaue aufs Meer, organisiere in Gedanken die Weiterfahrt, und denke mit Dankbarkeit an alle meine Freunde, die mir wiedermal so sehr geholfen haben.

Alles war eigentlich perfekt. Rosi stand noch in der Garage, Alberk hatte sie sogar geputzt. Trotzdem ich vergessen hatte, die Batterie abzuklemmen, sprang sie sofort ohne Probleme an. Aber dann. Erst rupft die Kuppelung, dann geht gar nichts mehr. Ich steh auf dem Highway am Kaneshi Markt wie ein Döppchen, schwitze vor mich hin, und weiss nicht mehr weiter. Also schiebe ich und es dauert nicht lange, da weist mir jemand den Weg zu einer Werkstatt. African way. Aber  the african way ist auch die so genannte Schrauberbude. 4 Jungs in einem Bretterverschlag, die im Staub auf dem Boden schrauben. Aber was soll ich machen. Also beginnen sie Rosi auseinanderzunehmen und ich versuche Ersatzteile zu organisieren. Das Bild, das sich mir bietet, als ich wiederkomme, treibt mir die Tränen in die Augen. Das kann nicht gutgehen. Alles liegt irgendwie verteilt auf dem Boden. Aber jetzt muss ich wohl da durch. Sie sagen natürlich, alles wird gut, aber weit gefehlt. Als ich Rosi nach 2 Tagen abhole, ist schon mal der Neutralkontaktstecker abgebrochen. Also Aktion von vorn, alles nochmals 4 Stunden auseinander- und zusammenschrauben. In der Dämmerung fahre ich dann Richtung Hotel und alles macht wirklich einen guten Eindruck. Leider nur bis kurz vorm Ziel. Wieder treten die selben Probleme auf. Die Kuppelung wird zu heiss. Schon 3 Tage verloren und nun wieder eine Werkstatt suchen. Ein Bekannter aus den Hotel kennt einen angeblich guten Mechaniker. Der soll es also schaukeln. Wir fahren zu seiner Werkstatt, er auf Rosi, um herauszufinden, was das Problem ist, und ich hinten wie ein Affe auf dem Schleifstein, auf einem R 6 Rennbecher. Ich sterbe 1000 Tode, bin eh kein guter Mitfahrer, aber mit 70 Sachen durch stehenden Verkehr mit maximal 20 cm Platz zu jeder Seite, übersteigt meine Nerven. Ampeln sind dazu da, ignoriert zu werden, sowie alle Schilder, und ist die Strasse frei, dürfen es auch schon mal 140km/h sein. Schweissgebadet komme ich an der Werkstatt an, die aber auch nicht gerade einen vertrauenserweckenden Eindruck macht. Immerhin stehen hier so viele verschiedene Mopeds rum, die er angeblich alle wieder zum laufen gebracht hat, dass es vielleicht doch klappen könnte.Mal sehen.
Und es hat funktioniert. Ich kann endlich weiter. Abu, mein Freund mit dem etwas extremen Fahrstil in Accra, bringt mich noch zu der Kreuzung, bei der ich weiss, wie ich aus dem Moloch hier rauskomme, Brüderliche Verabschiedung, vom Herzen, und danach langweilige Strasse, bis zur Grenzregion zu Togo. Alles wir fruchtbar und Lagune folgt Lagune. Keine Ahnung, warum  das nicht erschlossen ist.  Ich empfinde die Region hier angenehmer, als den Rest von Ghana. Kurz vor der Grenze wird die Strasse einfach nur schlecht. Als wollte man sein Leute davon abhalten , das Land zu verlassen. Für 600CFA bekomme ich Hilfe an der Grenze, alles geht easy von Statten und ich bin in Togo. Lome, die Hauptstadt,  ist eigentlich direkt hinter der Grenze.  Es gibt eine Corniche mit allem, was das Herz begehrt. Erst mal ein Bier an einem wirklich, im Gegensatz zu Ghana, gereinigten Strand. Truppen von Frauen kehren Dreck zusammen, und sind redlich bemüht, dem Besucher einen Touch von sauberem Sand zu präsentieren. Gefällt nach Accra doch sehr. Klar, treffe ich immer die Leute, die ich brauche. Ich habe mir schon ein Hotel ausgesucht, habe aber keinen blassen Schimmer, wo es liegt.  Und prompt spricht mich Moses an, begleitet mich zu meiner Unterkunft und bietet sich auch noch an, mich am kommenden Morgen zu der nigerianischen Botschaft zu bringen. Denn das ist hier mein Hauptanliegen. Ein Visum für Nigeria. Und das hat es in sich. Meine gewählte Unterkunft , Hotel Aurore,ist ein Treffer, wenn auch kein günstiger. Aber Wifi und etwas europäischen Flair , auch wenn hier nur Chinesen und Afrikaner wohnen, habe ich nötig nach dem Rising Phoenix Hotel. Am nächsten Tag dann zur Botschaft. Nach 1 stündiger Diskussion mit der verantwortlichen Madame, ist mir klar, dass das kein Zuckerschlecken wird. Ich brauche einen Einladungsbrief aus Nigeria und einen Nachweis meiner Reise. Da reicht auch kein Verweis auf all die Visa im Pass oder die Berichte im Netz. Ich treffe Julien, einen Franzosen auf seiner nagelneuen Yamaha Super Tenere auf dem Weg um die Welt in 3 Jahren, und wir verabreden uns, sowohl diese Prozedur der Visabeschaffung, als auch den Weg durch Nigeria, zusammen zu bewältigen.
Am nächsten Morgen einigen wir uns mit der Madame von der Botschaft, dass wir nur noch einen Einladungsbrief  benötigen. Julien ist so pfiffig , und hält auf der Straße ein Auto mit nigerianischem Kennzeichen an. Die Jungs sind sehr kooperativ und schreiben uns einen Fakebrief. Soweit, so gut. Tag 3 bringt neue Diskussionen mit Madame. Nach 4 Stunden kommt dann endlich die Aufforderung der Sekretärin, unsere Pässe abzugeben und zu bezahlen. Die Freude ist groß, wenn auch nur bis zum kommenden Tag, an dem wir die Visa abholen sollen. Wir bekommen die Pässe zurück, allerdings ohne Visa und mit dem Verweis, es doch bitte in Benin zu versuchen. Der Frust ist groß.
Wir sind kurz davor unsere gute Erziehung zu vergessen und der guten Frau zu zeigen, was wir von ihr halten, aber wir denken an die letzte Chance in Benin. Wir brauchen jetzt erstmal etwas Abstand von dem Stress und fahren bis Aneho, einem kleinen Küstenort unweit der Grenze. Sehr gepriesen als idyllischer Platz am Meer, hat auch hier die Umweltverschmutzung Einzug gehalten. Aber allemal besser als Lome und Botschaft. Der Grenzübergang ist wieder mal der Horror. Alleine um bis überhaupt zur Grenze zu kommen, benötigen für 500m 1 Stunde um uns durch die unzähligen LKWs zu schlängeln. Die lassen natürlich alle ihre Motoren laufen und wir kriegen die geballte Ladung Abgase direkt ins Gesicht. Grauenvoll.
Die Formalitäten sind dann ein Kinderspiel und kurze Zeit später sind wir in Quidah. Hier wollen wir uns den Point of no return und die Voodootempel ansehen, denn Quidah ist angeblich die Hauptstadt des westafrikanischen Voodoo Kults. Wir finden eine sehr nette Unterbringung mit dem etwas absurden Namen Edelweiss, entladen die Bikes und machen uns auf den Weg zu den Sehenswürdigkeiten.
Der Point of no return ist nur ein  neues Monument und nicht so beeindruckend wie die alten Ruinen in Cape Coast oder auf der Isle de Goree, aber trotzdem überkommt einen ein mulmiges Gefühl, wenn man bedenkt, wie abertausende von Sklaven hier an Bord der Schiffe in die neue Welt verfrachtet wurden. Der Pythontempel, der wohl wichtigste Voodootempel vor Ort ist hingegen nicht so wirklich imposant. Zwar wimmelt es von Pythons, aber alle mehr im Babyalter. Sonst ist Quidah aber ein beschauliches Örtchen, ganz im Gegensatz zu Cotonou, unserer nächsten Station.
Der Verkehr wird zum unüberschaubaren Chaos. Immer mehr kleine Motorräder mischen sich unter die eh schon zahlreichen Autos und LKWs. Jeder fährt, wie er will. Und es ist Sonntag, Ruhetag. Wir finden ein kleines Hotel mit Namen Crillon, und machen unseren Schlachtplan für den anstehenden Besuch der hiesigen nigerianischen Botschaft.
Am Montag Morgen stehen wir erstmal um 9 Uhr auf der Matte der Direction de Immigration, denn allererst müssen wir unser 48 Stunden Visum von Benin verlängern lassen. Denn mehr bekommt man an der Grenze nicht. Das soll angeblich 2 Tage dauern. Wir wollen es aber heute bekommen. Geht auch alles soweit gut, bis wir unsere Pässe am Abend abholen wollen. Man hat vergessen, uns einen Ausstellschein zu geben und findet sie nun nicht mehr. Super, alle laufen suchend durch die Gegend wie die Hühner und auch wir beteiligen uns. Aber bei genauerer Betrachtung der Büros muss man sich wirklich fragen, wie man hier überhaupt etwas finden will. Überall liegen Stapel von Pässen und Unterlagen, unter und auf den Stühlen und Schreibtischen, Kühlschränken und Aktenschränken. Aber wie ein Wunder, tauchen sie auf einmal auf und wir können es nicht glauben. Ich glaube die Angestellten auch nicht, aber ok. Wir fahren noch kurz an der Botschaft vorbei, um herauszufinden, wann wir denn antanzen dürfen. Auch hier heisst es 9 Uhr.
Wir also am nächsten Morgen um 9 Uhr da, aber bis auf einen schläfrigen Pförtner, der wahrscheinlich sowieso da schläft, sind wir weit und breit die einzigen. Um 10.30 trudeln die ersten ein, um 11 Uhr werden wir dann empfangen. Unser Gegenüber hat was von einem erstklassigen Schauspieler. Im Stil von einem schwarzen Marlon Brando in dem Paten macht er uns begreifbar, dass das ja so nicht ginge. Wir müssten ja noch etliche Kopien von etlichen Unterlagen einreichen und dann , tja dann wäre es ja immer noch ein grosses Problem. Also ab zum Hotel, Kopien machen. Irgendwann fragen wir uns, welche Hosen wir noch runterlassen sollen, denn irgendwann ist der Stapel meiner Kopien so dick wie eine ausgewachsene Stasieakte. Der Besitzer des Kopiershops guckt sich schon Prospekte von Mercedes Benz an. Aber nutzt ja nichts, am nächsten Tag nach erneutem Besuch der Botschaft, sind wir wieder seine besten Kunden. Jetzt werden wir schon mit Handschlag begrüßt. Und dann kommt die Bestätigung. Wir bekommen ein 10 Tage Transitvisum. Nur über den Preis müsse noch verhandelt werden. Ich traue meinen Ohren nicht, denn eigentlich gibt es ja fixe Tarife. Nicht bei unseren Godfarther. 40.000CFA ist normal. Er will 100.000CFA. Ich sag nein. Er will 80.000, ich sag nein. Er will 60.000, ich sag ja. Egal. Am nächsten Tag können wir sie abholen.
Wir wollen nach Abomey, noch ein paar Tempel im Norden anschauen, aber erst die Pässe abholen. Alles gepackt, bereit zu fahren, doch Rosie knallt nur ganz müde und tut keinen Mucks. Also alles wieder runter und Werkzeug raus. Ein Schrauber einer kleinen Mopedbutze von gegenüber besorgt einen Satz neue Zündkerzen, währenddessen reinige ich die Vergaser und Julien holt die Pässe. Passt alles, Rosie läuft wieder, die Visa sind da und los gehts. Beide sind wir froh, wieder fahren zu können, auch wenn die Strecke nicht gerade viele Highlights zu bieten hat. Abomey auch nicht. Die Auberge le Regarde ist noch eins davon. Die Tempel hier sind dagegen gelinde gesagt eher unspektakulär, wenn man nicht auf alte Lehmhütten und vergammelten Krempel und Totenschädel steht. Wir wollen weiter Richtung Nigeria und entschliessen uns für einen Zwischenstopp in Porto Novo, der eigentlichen Hauptstadt Benins, wenn auch sich eigentlich auch alles in Cotonou abspielt. Nett gelegen an einem See, hat das Städtchen was provinzielles. Noch mal ausruhen und Wäsche waschen, bevor es losgeht. Und wir finden das wohl absurdeste Museum, das zumindest ich bis dato jemals besucht habe. Es ist eigentlich gar nicht zu beschreiben. Ein wohl mal sehr einflussreicher und reicher Typ mit Namen da Silva hat hier allen möglichen Kram zusammengetragen. Mehr wie in einem Lager von Haushaltsauflösern findet sich hier wertvolles bis Kitsch in einer unglaublichen Bandbreite. Das witzigste war ein Bild von Kim Wilde aus Jugendzeiten. War wohl mal sein Idol…….Und dann Nigeria. Die 20 km bis zur Grenze von Porto Novo sind schnell geschafft. Wir haben uns für die etwas nördlich von der Küstenstraße nach Lagos gelegene entschieden, da dort nicht so viel LKW Verkehr herrscht. War eine gute Entscheidung. Die Formalitäten auf beninischer Seite sind schnell erledigt, aber dann…Alle Grenzer auf nigerianischer Seite sind sehr freundlich, aber auch sehr akribisch. Erst werden die Impfpässe kontrolliert, dann werden wir nach Drogen untersucht. Dann natürlich die obligatorische Pass- und Zollkontrolle. Wir müssen unsere gedachte Route genau benennen und sogar ein fiktives Hotel in Abuja angeben. Fast 2 Stunden kostet uns die Prozedur, dabei wollen wir noch mindestens bis Ibadan. Der Verkehr in Nigeria ist die Hölle. Zuviel Menschen und viel zu viele Autos. Bei Spritpreisen von 32 Cent wird auch kräftig gefahren. In den Städten und Ortschaften geht es nur im Schneckentempo vorwärts. Dann kommt auch noch Regen. Es ist hier halt noch Regenzeit und wenn es regnet, dann richtig. Die Strassen verwandeln sich in kürzester Zeit in reissende Bäche. Der Spuk dauert aber in der Regel nicht so lange und alles trocknet auch schnell wieder ab. Und dann sind da noch die unzähligen Polizeikontrollen. Wir als Exoten werden natürlich immer rausgewunken. Aber die Polizei ist immer sehr freundlich und wieder mal tut mein Presseausweis sein übriges, um ohne Probleme und Sonderzahlungen weiter zu kommen. Nach 9 Stunden erreichen wir endlich Ibadan. Es braut sich wieder ein Unwetter zusammen und wir beschliessen, für heute Schluss zu machen. Wir finden ein Guesthouse und halten an. Schon fällt der Regen wie aus Kübeln vom Himmel. Also bleiben, auch wenn die Wahl alles andere als gut war. Der Name des Etablissements lautet OGO,
hätte aber besser OH GOTT lauten sollen. Die Dusche für alle entspricht mehr einer Tropfsteinhöhle, wobei die Stalaktiten vom Dreck kommen, und die Toilette hat keine Spülung, sodass man……….
Egal, für eine Nacht muss es reichen und wir wollen sehr früh weiter. Die Zeit drängt. Am nächsten Tag sind wir um 7 startklar und quälen uns durch Ibadan und seine Vorstädte, bis wir endlich den Expressway finden. Wie eine Autobahn in Europa. Aber leider währt die Freude nicht lange. Nach 23 km ist Schluss mit der Herrlichkeit und es geht auf eine normale gegenspurige Landstrasse. Und mit uns alle LKWs. Die Abgase der alten, bei uns ausrangierten Trucks sind unerträglich, und dessen Fahrweise noch mehr. So entgehen wir auch nur um Haaresbreite  dem sicheren Tod, als einer von den Monstern überholt, ohne auf uns zu achten. Irgendwann entschliessen wir uns für eine kleine Strasse. Das positive ist das geringe Verkehrsaufkommen und die wirklich schöne Landschaft, das negative, wir können gar nicht auf die Landschaft achten, da unzählige riesige Schlaglöcher unsere volle Aufmerksamkeit fordern. 10 Stunden für 420km sprechen für sich. Dann sehen wir ein wirklich einladendes Hotel und halten. Auch innen macht alles einen guten Eindruck, bis wir uns für ein Zimmer entscheiden müssen. Erstmal sind alle unaufgeräumt, die Betten beladen mit alten Laken . Dann geht entweder kein Licht, oder es gibt kein Wasser,  oder, oder, oder. Es gibt einen Pool ohne Wasser, einen Tennisplatz ohne Netz, alle Angestellten liegen auf den Sofas im Empfang und starren gebannt auf einen riesigen Flatscreen mit einer nigerianischen Soap. Dabei ist das Hotel gerade mal 3 Jahre alt. Kann wirklich nur noch komplett saniert werden. Aber die erste Aufforderung gilt der Bezahlung. Über mangelnde Freundlichkeit kann man sich aber ansonsten nicht beschweren.
Weiter geht es die letzten 250 km nach Abuja. Wieder Schlaglöcher bis zur weltgrössten Zementfabrik , und dann wirklich gute Strasse bis fast Abuja. Klar, vor jeder grossen Stadt wird das Verkehrsaufkommen auch wieder extrem, aber nach 6 Stunden haben wir es geschafft. Jetzt geht es hier morgen um das Visum für Angola, soll hier einfacher gehen. Woran merkt man, dass man in Nigeria ist? Wenn die Nachtwächter im Hotel anstatt eines Schlagstocks eine Kalashnikov AK 47 tragen.
Die gute Nachricht für alle, die durch Angola reisen wollen: es gibt ein Transitvisum an der Grenze. Die schlechte: es gilt nur für 5 Tage. Wir besorgen noch die Visa für Kamerun und Kongo Brazzaville und machen uns auf den Weg nach Calabar. Von dort soll uns die Nachtfähre nach Limbe und somit in den Kamerun bringen. Die Fahrt bis Leifa geht durch nicht so dicht bevölkerte Landschaft und hat Charme von dageht es über Enugu nach Calabar. Wir freuen uns schon auf den in der Karte eingezeichneten Expressway der uns schnell von Enugu nach Aba bringen soll, sodass die Strecke schnell zu schaffen sein sollte. Anfangs ist auch alles sehr schön, 2 Spuren in jede Richtung, fast wie bei uns.. Irgendwann kommen uns aber die ersten Geisterfahrer entgegen und ich frage mich, warum die nicht auf ihrer Seite der Autobahn fahren.  Der Grund ist, dass jeder gerade da fährt, wo er fahren kann, denn irgendwann müssen auch wir auf die Gegenspur ausweichen, Es tun sich riesige Schlaglöcher auf, die Strasse sieht aus wie eine Seenlandschaft. Richtig schlimm wird es dann, wenn auf beiden Fahrbahnen Land unter ist. Denn dann muss man hinter den LKWs warten, bis die sich durch die tiefen Löcher gequält haben. So sollte diese Autobahn anstatt Expressway eher Snailway heissen. Aber nach erneuten 6 Stunden für knapp 280km haben wir endlich Calabar, und damit unsere letzt Station in Nigeria erreicht.

Berlin – Fes

Freitag, 30. September 2011 von Alper

24.9.2011- 29.9.2011: Als wir am Dienstag Nachmittag am Fährhafen von Barcelona ankommen, traue ich meinen Augen nicht. Da steht doch der gleiche Toyota Land Cruiser HJ 80, den ich im August in Rumänien bei der Besichtigung der Holzkirche von Surdesti gesehen hatte. Beim Nachfragen entpuppt sich die Vermutung als richtig. Jean aus Frankreich möchte für 4 Wochen durch Marokko reisen. So klein ist doch die Welt.

Da der Beginn der Überfahrt von Barcelona nach Tanger sich um 3 Stunden auf 20 Uhr verzögert, unterhalten wir uns ausgiebig mit und über die anderen Reisenden am Fährhafen von Barcelona.

Die Fahrt bis Barcelona ist unspektakulär verlaufen. Erfreulich waren die schönen Plätze, an denen wir gecampt haben und die sommerlichen Temperaturen von 25 – 29 Grad nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich und Spanien. An einem der Plätze wurde der angenehme Duft von Kiefern und Pinien noch durch wild wachsendes Rosmarin verstärkt. 

Erst gegen 21 Uhr kommen wir am nächsten Tag mit hunderten anderen von der Fähre runter. Doch wir sind nicht wie erwartet in Tanger gelandet – sondern ganze 60 km östlicher. Der neue Fähr- und Containerhafen ist gigantisch groß – in beide Richtungen sind es bestimmt je 5 Km in der Ausdehnung. Und die Nacht wird durch die vielen starken Scheinwerfer zum Tag gemacht.

Unsere erste Tat auf dem afrikanischen Kontinent ist die Fahrt zur ersten Tankstelle. Das Grinsen in meinem Gesicht ist schon ziemlich breit, als ich den Literpreisen von Diesel umrechne: 66 Cent! Die Straßen sind hier in top Zustand und meist vierspurig. Marokko scheint sich gewaltig verändert zu haben. Immerhin sind es 19 Jahre her, als ich hier mit dem Motorrad unterwegs war. Der gesamt Küstenstreifen von Ceuta bis Tetouan ist total verbaut, überall neue Hotels und Villen – dafür aber in der ansehnlichen typisch marokkanischen verschachtelten und quaderförmigen Bauweise mit flachen Dächern. Bereits am frühen Nachmittag des heutigen Donnerstag, wir messen erneut 37 Grad, kommen wir in Fes an.

Ziemlich schnell haben wir dann auch den Camping Diamant Vert, der etwa 7 km südlich von Fes liegt, erreicht. Die Anlage ist verhältnismäßig gepflegt, die Stellplätze sind aus grünem Gras, die Duschen sauber, aber etwas abgewohnt. Dafür gibt es einen tollen Swimmingpool, mit einer 50-Meter-Bahn. Nach dem Auspacken und Zelt aufbauen kann ich nicht anders: Im Nahe gelegenen Wald auf einem ausgeschilderten Parcours gehe ich 10 km laufen und danach im Pool schwimmen. Abends bereiten wir uns einen leckeren Salat vor und kochen Nudeln mit Tomaten-Sauce, garniert mit ein paar Sucuk (pikante türkische Wurst) Stückchen. Auf morgen sind wir schon gespannt. Wir wollen uns die tolle Medina (Altstadt) von Fes anschauen.

Dakar-Banfora

Freitag, 01. April 2011 von Frank

Ja, wir leben noch, und ja, es geht natürlich immer weiter. Deutschland war eine emotionale Achterbahnfahrt und ich bin froh, wieder in Dakar zu sein. Den Tag bis zu Ninas Ankunft in Dakar nutze ich für den Einbau des  reparierten Dämpfers  ( grosses Lob am das Team von Wilbers. einen Tag Reparaturzeit find ich sensationell.) , flansche einen neuen Spiegel an, wechsel das Öl, hole unser Gepäck ab( danke Dominique und Marco) und mache dann noch etwas die Stadt unsicher. Wenn man Dakar etwas kennengelernt hat, muss man diesen Moloch irgendwie ins Herz schliessen.  Aber bitte nicht fragen, warum? . Noch eine kleine Wiedersehensfeier mit genialer Livemusik im Just 4 you, und dann gehts am nächsten Tag wieder auf die Strasse. Na ja, nicht so wirklich. Unser nächstes Ziel liegt gerade mal 60 km südlich von Dakar. Der Platz heisst Sobo Bade, ist ein von einem bekannten senegalesischen Künstler errichtetes Resort und erinnert uns sehr an eine Mixtur aus Hundertwassser und Gaudi Architektur mit afrikanischem Einfluss. Der richtige Platz um mal 2 Tage die Seele nachkommen zu lassen. Und wir treffen einen nächsten Freund, Abdoubacar, mit seiner aus Guinea stammenden Gruppe. Mehr wie Geschichtenerzähler reisen sie durch ganz Westafrika von Ort zu Ort. Aber wir werden langsam unruhig und wollen endlich Richtung Gambia.   Ziel ist eigentlich die gambische Grenze, aber wir haben uns für die schöne Seitenstrasse  entschieden und das kleine Zeichen für Fähre übersehen. Murveys Law, gerade angekommen, Fähre gerade weg. 2 Stunden warten. Egal, finden ein super Guesthouse in Foundiougne, einem kleinen Ort am Anfang des Mangroven Naturreservates Saloum. Es gibt definitiv schlimmeres, als bei einem kalten Bier dem Kingfisher beim jagen zuzuschauen. So gut die Strasse bis zur Fähre war, so schlecht wird sie jetzt. Sie ist eigentlich nur noch ein Fragment, auf dem keiner mehr fährt. Alle fahren im Sand daneben. 80 km bis Sokone Hardcore, danach eine einfache Fahrt zur Grenze, schnelles und nettes Überqueren, und auf guter Strasse bis zur nächsten Fähre nach Banjul, der Hauptstadt von Gambia. Fähren und Warten sind so nicht mein Ding, aber irgendwann ist auch das geschafft. Eigentlich wollten wir auf einen Campingplatz von Heinz, einem Deutschen. Aber wir verfahren uns mal wieder wahllos und landen in einem kleinem einheimischen Örtchen. Keine Unterbringung weit und breit, es ist nur heiss, die Wege sind nur tiefer Sand und ich habe , auf deutsch, die Schn…. voll. Dann kommt Manaj, bis jetzt mein Lieblingspolizist ( gibt nicht so wirklich viele…..) und bringt uns bei Omar und seinem Kumpels unter. Irgendwie hatten wir uns Gambia anders vorgestellt. Ist hier so wie Thailand für Frauen. Wir entschliessen uns, den Gambia Fluss Richtung Osten zu fahren, um den nicht touristischen Teil des Landes zu erkunden. Also Abschied aus unserem Dörfchen Kerr Sering und ab zur Fähre nach Banjul, denn wir wollen die einsamere aber besser befahrbare Nord Road in Gambia nehmen.  Ab auf die Fähre. Ich stehe ganz vorn mit dem Bike und bin einer der ersten, die auch das Boot verlassen.  Ich fahre also  die Pier lang, um irgendwo auf Nina zu warten, als ein bulliger Gambier in Zivil auf mich zukommt, mir irgendetwas entgegenstreckt , behauptet er sei vom Drogendezernat und mir allen Ernstes erzählt, er wolle  jetzt  all mein Gepäck durchleuchten.  Ich lass mir erstmal seinen Ausweis zeigen und sage ihm, davon hätte ich auch 5 zuhause. Das Rot anlaufen kann man bei den Jungs nicht so wirklich erkennen, aber er reagiert mit vermehrter Schweissabsonderung und extrem erhöhter Stimme.  Irgendwann habe ich dann keine Lust mehr und fahre ein paar Meter weiter.  Plötzlich bin ich umringt von Typen, die wirklich wie Polizisten aussehen.  Blöd gelaufen. Ich werde samt Motorrad in die Polizeistation verfrachtet und stehe wieder meinem schwitzigen Freund gegenüber. Wir schreien uns eine Zeit an, bis Nina, die zwischenzeitlich eingetroffen ist , und sein Vorgesetzter beschwichtigend auf uns einreden.  Die Situation scheint zu eskalieren, bis ich mich  an das Vorhandensein meines alten Presseausweises erinnere. Ich nehme also den Vorgesetzten zur Seite, zücke das schöne Kärtchen, sehe die leuchtenden Augen und auf einmal ist alles freundlich und vergessen.  Ich solle doch in Zukunft seinen Leuten direkt mitteilen, dass ich Press Officer sei……..
Nach einem Nervenbier machen wir uns endlich auf super Strasse und abseits des Touritrails auf den Weg nach Georgtown, einem anderen traurigen Relikt der Sklavenepoche Westafrikas.   Auf der Fähre über den Gambia treffen wir Abdoulie, der uns ein Zimmer im Governours Guesthouse gesorgt. Der Chef ist gerade nicht im Land und seine Mutter vermietet die Räume unter der Hand für kleines Geld. Wer jetzt denkt, dass wäre Luxus pur, irrt. Wir verstehen jetzt, warum der Typ sich hier nicht blicken lässt. Abends führt uns Abdoulie in einen Garten mit Restaurant und erzählt uns seine Geschichte. Er besucht eine boarding school und im Gegensatz zu den dort lernenden Mädchen, für die die Ausbildung frei ist, hat er immer wieder Probleme, die paar Kröten Schulgeld zusammenzubekommen. Denn er kommt aus eher ärmlichen Verhältnissen. An ein weiterführendes Studium ist da nach seiner Schulzeit schon gar nicht zu denken. Aber er lernt fleissig weiter und hofft auf ein Wunder, um die 300€ pro Semester zusammenzukratzen. Wer also Interesse hat, das meiner Meinung nach mit wichtigste in Afrika, die Ausbildung der kommenden Generation, zu unterstützen, hier seine E Mail Adresse :JallowAbdoulie48@yohoo.com . So gut die Strasse bis Georgtown war, so schlecht wird sie nun. Bis Basso wird die gesamte Strasse neu gebaut und die Fahrt erfolgt auf einer provisorischen Piste daneben. Von Basso nach Velingara  kann man noch nicht einmal von Piste sprechen. Viel Sand und tiefe Löcher lassen nur Schrittgeschwindigkeit zu. Dafür war der Grenzübergang von Gambia in den Senegal der entspannteste, den wir je erlebt haben. Kommen nicht wirklich viele Leute vorbei, scheint es. Völlig erschöpft von Fahrt und Hitze erreichen wir abends Tambacounda. Am nächsten Tag weiter bis Kidira, der Grenze Malis. Bis dahin einfache Fahrt, aber uns fällt die  Anzahl der Trucks schon bedenklich auf.  Dann in Kedira geht der Stress los. Hunderte von ihnen stehen schon am Eingang des Dorfes und versperren jedwedes weiterkommen. Ich schlängle mich so gut es geht durch, bis ich hinter einem alten Scania Ungetüm stehe.  Hinter mir fährt ein anderer  Truck auf. Eingekeilt. Auf einmal sehe ich nur  zwei weisse Rücklichter. Da setzt der Idiot vor mir doch wirklich zurück . Was tun? Unter die Hinterräder kommen, oder ab nach rechts in den Graben? Ich entscheide mich für Rosis mögliches Überleben und steure nach rechts, da berührt uns schon der Truck und wir fallen. Ich fluche, schimpfe, gestikuliere und versuche nebenbei das auslaufende Bike aufzurichten. Uns ist nichts passiert, aber Rosinante wird immer schiefer. Der Fahrer guckt ganz bedröppelt und schuldbewusst in die Gegend. Was will man machen. Zu holen gibt es bei den armen Jungs sowieso nichts. Also weiter über die Grenze und ab nach Kayes. Kayes hat zwar, bis auf ein nettes Guesthouse mit Blick auf den Senegal (Fluss), nicht wirklich viel zu bieten, aber wir rechnen mit zwei anstrengenden Tagen Fahrt nach Bamako und gönnen uns einen Tag Pause.
Die Strasse von Kayes nach Bamako über Diema ist in sehr gutem Zustand. trotzdem ist die Fahrt bei weit über 40 Grad stressig. Wir trinken wie die Kamele und erhoffen uns ein Guesthouse oder eine schattige Campingsituation auf halber Strecke, aber Fehlanzeige. So fahren wir und fahren und fahren irgendwann wie in Trance , da das Gehirnwasser schon kocht. Nach 620 Kilometern erreichen wir Bamako und wir wollen nur noch zur Auberge Djamilla, unterm Ventilator liegen, was kaltes trinken, schlafen. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit uns. Die GPS Koordinaten stimmen nicht, wir irren durch die Rush hour von Bamako, sehen 2 tödliche Verkehrsunfälle am Strassenrand. Nach 650 km finden wir wieder einmal ein Bumshotel. Egal. Air Con, Dusche,  kaltes Bier, Essen und ein halbwegs sauberes Bett. Suuuuper. Am folgenden Tag finden wir Djamilla endlich. Eine Oase der Ruhe. Bamako ist nicht unser Beuteschema, aber nutzt ja nichts, wir brauchen das Visum für Burkina Faso und das Bike benötigt eine neue Versicherung.Nach 3 Tagen haben wir soweit alles für die Weiterreise organisiert. . Also weiter nach Segou. Gerade angekommen, das erste Getränk ist noch kalt( also erste Minute), kommt natürlich die obligatorische Anquatsche. Ich kenn Hotel und überhaupt alles. Ok, platt, wie wir sind, lassen wir uns auf das Spiel ein. Gucken kost ja nichts. Und wiedermal haben wir Glück. Adama bringt uns zu einem abgelegenen Hotel für  Malinesen. Kleines Geld und Familienabschluss ( 50 Leute). Nach einigen anderen tollen Empfehlungen, die nicht auf Abzocke, sondern auf kleinen Besonderheiten des Ortes und Zusammentreffen mit netten Menschen basieren, sind wir uns einig. Bootstour am nächsten Tag auf dem Niger zu seinem Dorf. Wir brechen früh auf, geniessen die Ruhe und vor allem die Kühle auf dem Wasser und beobachten das Treiben der am Niger wohnenden Menschen. Sein Heimatdorf ist typisch für die Orte hier. Lehmhäuser, keinerlei Annehmlichkeiten wie wir sie kennen. Die Frauen hier versuchen die Einnahmen aus Viehzucht, ein paar trockenen Feldern und Fischfang durch ihre Fertigkeit im Töpfern aufzubessern.  Dadurch hat das Dörfchen Ansehen im ganzen Land erlangt. Wieder in Segou kommen wir in den Genuss des wöchentlichen Markttreibens. Wobei der Genuss mehr visueller Art ist. Die Nase und der Magen haben schon einiges auszuhalten. Vor allem der Geruch von getrocknetem Fisch und bei 50 Grad vor sich hingammelden Fleisch sind bestimmt nicht jedermanns Sache. Dafür explodieren die Farben in den Augen. Dann weiter nach Mopti. Angeblich 320 km, aber wieder Mal afrikanische Kilometer. Als der Tacho anzeigt, wir müssten schon an der Stadtgrenze stehen, sind es immer noch 120. Die Hitze macht uns fertig. Der Schweiss rinnt in Strömen den Rücken runter, ganz zu schweigen von der Feuchte im Gesässbereich und dem damit verbundenen bescheidenen Sitzkomfort. Zu guter letzt streift uns noch ein riesiger, uns entgegenkommender Landcruiser. Ich kann das Bike gerade noch stabilisieren. Eine Beule in der Alubox und Nervenflattern ist aber Gott sei Dank alles was bleibt. In Mopti erwartet uns das normale Verkehrschaos. Stop and go durch kreuzende Mopeds, Eselkarren, handgezogene Gepäckwagen, ehemalige Autos und LKWs. Aber Adama hat schon seinen Kumpel in Mopti informiert und er fängt uns ab( wir sind nicht zu übersehen) und bringt uns zu unserem Hotel Y a Pas de Problem.  Wieder Mal eine Oase. Günstig und sogar mit Pool. Ok, ich würde nicht unbedingt einen Schluck nehmen wollen, aber jede Form der Abkühlung ist willkommen. Ich muss gestehen, dass ich nach 20 jähriger Abwesenheit in Mopti nicht viel wieder erkenne. Augenscheinlich ist die Unmenge an Plastikmüll, die das Flussufer und den Marktbereich überflutet. Eigentlich geht man nur noch über vor sich hinrottendes Plastik und nicht über Sand.   Eigentlich wollen wir am nächsten Tag ins Dogonland, aber Nina hat ihre Tage und an Trecken ist nicht zu denken. Alternativ gibt es einen See im Niger, in dem angeblich Nilpferde zu sehen sein sollen. Also wieder mal Pirogentour . Einen Tag hin, irgendwo campen und anderen Tag zurück. Aber am Ende ein Reinfall. Das Boot sieht aus wie gebaut nach einem 2 tägigen VHS Kurs Ìch bau mir ein Boot aus Abfall mit 2 linken Händen`. Untergehen konnten wir bei dem niedrigen Wasserstand auch wirklich nicht. Stützräder wären manchmal hilfreicher gewesen. Hippos haben wir natürlich nicht gesehen. Wir übernachten in einem typischen Dorf und eigentlich deutet nichts darauf hin ( Strom gibt es nicht), dass es sich um eine Grossraumdisko handelt. Um 10 Uhr machen sich unsere 20 jährigen Bootsführer auf ins Dorf und dann beginnt es. Unerträglich laute Musik bis 5 Uhr morgens. Und das beim hellsten Vollmond seit 20 Jahren. An Schlaf ist nicht zu denken. Egal, wir haben ja den nächsten Tag alle Zeit der Welt……Ich denke, wir waren nur ein günstige Möglichkeit für die Jungs, zu der grössten Party Malis zu kommen. Aber wir waren nicht eingeladen.
Dafür wird die Dogon  Tour zu einem Highlight. Wir finden einen super Guide, selbst Dogon, mit guten Englischkenntnissen und gutem Humor. Klar, es ist eigentlich zu heiss zum trecken. Geht nur sehr früh morgens bis 11 Uhr, dann Siesta bis 16 Uhr, dann nochmals 2 Stunden. Reicht aber auch. Wir starten in Sanga und trecken von dort über Ireli, Tireli, Nombori nach Dourou, wo wir wieder abgeholt werden. Wir haben das grosse Glück, zwei Märkte zu besuchen, trinken Hirsebier mit den alten Männern, treffen einen 108 jährigen Dorfchef, der uns seinen Segen für die Weiterreise ausspricht und geniessen diese so andere Welt. Etwas zeitraubend ist das hiesige Ritual der gegenseitigen Begrüssung. Und der Gruss wird hier grossgeschrieben, ist sozusagen Pflicht. Es fängt damit an, dass der eine fragt, wie es denn so ist und sich dann, nach einem obligatorischen Seo(gut) , nach dem Befinden eines jeden Familienmitglieds erkundigt. Bei einer Familie,wie sie zum Beispiel einer unserer Campment Eigentümer hat ( drei Frauen , 18 Kinder) kann das schon mal eine Weile dauern. Klingt witzig, aber die Tatsache, dass sich die Einwohnerzahl Malis alle 20 Jahre nahezu verdoppelt, ist schon ein Problem. Wir jedenfalls brabbeln irgendwann selbst nur noch seo,seo,seo. Für uns waren diese 4 Tage einfach nur schön und wir können nur jedem empfehlen, einmal hierher zu kommen. Was braucht man mehr als diese atemberaubende Landschaft, die unglaublich gastfreundlichen Menschen, einfaches gesundes Essen, eine abendliche Dusche( in der Regenzeit unterm Wasserfall, jetzt aus der Tonne) und einer Matratze unterm Sternenzelt. Ein magischer Platz in doppelter Hinsicht( die Dogon sind immer noch berühmt berüchtigt für ihre magischen Fähigkeiten ). Wird Zeit, wieder aufs Bike zu kommen. Hat schon eine dicke Staubschicht angesetzt. Es ist nur eine kurze Tour nach Djenne, berühmt für die beeindruckendste  Lehmmoschee Westafrikas und ein must see auf dem Weg nach Burkina. Einen Tag wandeln wir durch die Gassen mit Lehmhäusern( anders darf hier nicht gebaut werden) und erkunden den Montagsmarkt mit seinem emsigen Treiben vor der imposanten Kulisse der Moschee.
Die Strassenverhältnisse im Süden Malis sind sehr gut und wir wollen den südlichsten Grenzübergang nach Burkina nehmen, denn das Ziel ist Banfora. In der Umgebung befinden sich einige Highlights Burkinas. So hoffen wir endlich, Hippos zu Gesicht zu bekommen. Schade ist nur, dass wir so nah an der Grenze zur Elfenbeinküste sind und nicht rüberdürfen. Die Grenzformalitäten Richtung Burkina sind die schnellsten, die wir je hatten. Wir versorgen noch schnell einen Zöllner mit triefender Nase mit einem Medikament und ab geht es nach Banfora.